Index

Vorwort

Form und Technik im Wandel der Stilarten
Alte Möbel erkennen und restaurieren
Bauteile, Konstruktionsprinzipien und Möbeltypen
Echt oder falsch ?
Das Restaurieren

Glossar

letzte Änderung: 22. März 2000


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Echt oder falsch ?

Die Frage stellt sich eigentlich nicht. Sie sollte lauten ist das Möbel aus der Zeit?

1.) Möbel der historischen Stilrichtuntgen

Dazu zählt man alle alten Möbel einschließlich des Biedermeier, daher vom Mittelalter bis etwa 1830 bis 1835. Romanische oder gotische Möbel können wir in der weiteren Betrachtung ausschließen, da sie äußerst selten im Handel sind und meist nur noch in Museen bewundert werden können.

Worauf wir unseren Blick richten sollten:

a.) Patina:

Patina der Oberfläche (Veränderung des Farbtones der Hölzer im Laufe der Zeit unter Licht- und Lufteinwirkung, Gebrauch, Pflege. Farblicher Unterschied zwischen der abgedeckten und der dem Licht ausgesetzten Fläche.
Nußbaumholz, Kirschbaumholz, dunkler, warmer Ton - bei intensivem Sonnenlicht bleicht es aus. Ahorn - vergilbt, Mahagoni nimmt einen goldenen, schimmernden Ton an, Rosenholz verliert sein Rot und wird gelbbraun. Zur Patina zählen vergilbte Polituren, Firnisse verkrusteter Schmutz und Staub und auch tief in das Holz eingedrungene Tintenflecken, Fett - und Petroleumflecken, Brandstellen, etc.

b.) Beschädigungen:

- Aufgesprungene Furniere
- Risse im Holz
- Verzogene Flächen
- Bei Sitzmöbel mechanische Schäden durch Überbeanspruchung
- Druck- und Schlagspuren
- Kratzer
- Losgerissene und fehlende Furnierstücke

c.) Wurmbefall

d.) Marketerien:

Ältere Arbeiten - weniger exakt und regelmäßig (Teile wurden mit der Hand gesägt)

e.) Profilleisten:

Keine maschinellen Hilfsmittel, wurden mit der Hand gehobelt.

f.) Furnierdicke:

Furnieren bis zum Ende des 16. Jahrhunderts etwa 3-6mm dick und kleine Stücke. Anfang des 18. Jahrhunderts Furnierdicke 2,5 bis 3 mm dick, auch die Furnierflächen wurden größer

g.) Konstruktion:

Schublade mit stark abgelaufenen Seiten
Abgenützte Laufleiste
Schubladenböden sind von unten stumpf aufgesetzt und mit Holznägel befestigt
Rückwände von Kastenmöbel sind mit dem Korpus verbunden. In der Renaissance sind sie stumpf auf die Seitenwände aufgesetzt, später wurden sie eingefälzt oder eingenutet.

h.) Beschläge:

Griffe und Schlüsselschilder wurden massiv aus Bronze oder Messing gegossen, erst später aus dünnem Messingblech gepreßt.

i.) Verwendung alter Teile:

Zusammensetzung alter Fragmente mit neuen Teilen
2 verschiedene alte Teile (manchmal auch verschiedene Stilrichtungen)


2.) Fälschungen von Möbel der historischen Stile:

Das sind jene Möbel, die mit der Absicht hergestellt wurden, den Käufer zu täuschen. Eine meisterliche Fälschung vermag auch einen versierten Fachmann hinters Licht zu führen. Nur wissenschaftliche Untersuchungen können dies aufdecken (C14-Methode zur Altersbestimmung des Holzes, womit die Echtheit des Holzes auch noch nicht zu 100% bewiesen ist). Diese Überlegung bezieht sich nicht auf mittlere und untere Preisklassen, da dies nicht rentabel wäre. Anders ist die Situation bei Möbel der oberen Preisklasse und Kunstwerken.
Auswahl der zeitentsprechenden Hölzer: Mahagonimöbel wurden im Stile Louis-seize statt mit richtigem Westindischen Mahagoni mit billigem, afrikanischem Mahagoni nachgebaut.
Schlagspuren und Kratzer, die zu gleichmäßig und an unpassenden Stellen mit einem stumpfen Gegenstand geschlagen wurden.
Furniere sind zu dünn.


3.) Antike Möbel des Elektizismus (Historismus):

Gemeint ist die Zeit zwischen 1835 und 1880, also der Anschluß an das Biedermeier. Antik bedeutet ein Mindestalter von 100 Jahren. Im 19. Jahrhundert wurde kein eigener Baustil entwickelt, sondern man ahmte von der Gotik bis zum Biedermeier nach, oder wandelte ab. Bei solchen Möbel ist die Täuschung, bzw. Verwechslung viel eher möglich als bei tatsächlichen Fälschungen. Es gibt Antiquitätenhändler, die - um Verwechslungen auszuschließen - solche Möbel überhaupt nicht führen.


4.) Stilmöbel:

Das sind Möbel unserer Tage, die historische Stile nachahmen.


Die Stilperioden:

Die Stilrichtungen entwickelten sich in den verschiedenen europäischen Ländern aus der vorangegangenen. Es können jedoch keine scharfen zeitlichen Grenzen gezogen werden. Es ergeben sich daher Überschneidungen.
Zwischen den einzelnen Ländern gibt es wesentliche Unterschiede und die Stilperioden dauerten unterschiedlich lang und hatten auch verschiedene Bezeichnungen. Schwierig wird auch die Datierung in den Übergangsperioden oder bei einfachen, bürgerlichen Möbeln.

Eine grobe Einteilung kann wie folgt erstellt werden:

~ 1400 - 1500 Gotik
~ 1500 - 1630 Renaissance
1630 - 1720 Barock
1720 - 1760 Rokoko
1760 - 1830 Klassizismus
1830 - 1890 Elektizismus = Historismus


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