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Vorwort

Form und Technik im Wandel der Stilarten
Alte Möbel erkennen und restaurieren
Bauteile, Konstruktionsprinzipien und Möbeltypen
Echt oder falsch ?
Das Restaurieren

Glossar

letzte Änderung: 22. März 2000


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Das Restaurieren

- Beschläge abmontieren
- Ablaugen: (lose Holzteile säuberlich entfernen und aufbewahren)
- Eventuelles Reparieren von abgenutzten Teilen
- Risse im Holze ausspannen
- Furnier ausbessern
- Verleimen
- Schleifen
- Grundieren, Polieren der Schlösser und Beschläge
- Zusammenbauen

Die Oberflächenbehandlung:

1.) Bleichen und Beizen

Das Bleichen und Beizen sollte nur im äußersten Fall eingesetzt werden, bei zu dunkel geratenen und störend wirkenden neu eingesetzten Partien.

2.) Mattieren und Polieren:

a.) Mattieren Variante 1 (einfachste Methode)
Holzoberfläche - sauber und trocken. Auftragen des Hartgrundanstriches mit einem flachen Pinsel. Diese Grundierung schließt die Poren der obersten Holzschicht und verhindert damit, daß der folgende Auftrag zu tief einsinkt.
Man läßt die Fläche ca ½ Stunde trocknen, zieht sie leicht mit Stahlwolle ab, entstaubt und trägt auf die gleiche Weise einen zweiten Anstrich auf. Nach einer Trockenpause wird nochmals mit Stahlwolle oder Bimsmehl und Schleiföl unter einem weichen Lappen fein geschliffen. Dann trägt man mit einem sauberen Lappen ein gutes Möbelwachs auf und reibt es gründlich in die Holzoberfläche ein. Nach einer weiteren Pause poliert man mit einem frischen, weichen Lappen gut und ausdauernd.


b.)Mattieren Variante 2
Zur Grundierung trägt man gekochtes Leimöl satt mit dem Pinsel auf oder reibt es mit einem Lappen in das Holz ein. 3-4 Wochen trocknen lassen . Danach wird mit einem Lappen gründlich abgerieben und wie unter Variante 1 gewachst.


c.) Mattieren Variante 3
Man reibt Schleiföl mit einem Lappen in die Oberfläche ein. Nach 2 bis 3 Tagen Ruhezeit trägt man mit einem weichen Pinsel eine Grundierung von sehr stark vedünnter Schellackpolitur auf - schnell arbeiten, damit keine sichtbaren Pinselstriche entstehen.
Nach dem Trocknen zieht man die Fläche mit Stahlwolle ab und bringt einen zweiten, stark verdünnten Anstrich auf. (Bei stark saugendem Holz einen dritten bzw. Vierten). Dieser wird dann mit Bimsmehl und Schleiföl unter einem weichen Stoffballen gut, aber vorsichtig geschliffen.
Nach gründlichem Abbürsten wird wie unter Variante 1 gewachst.

Möbelwachs: gutes Möbelwachs verwenden, kein Bodenwachs.

Selbstherstellung:
Bienenwachs (aus der Drogerie) im Wasserbad schmelzen und unter ständigem Rühren mit der 5-fachen Menge von gereinigtem, echtem Terpentinöl vermischen.
Das Wachs mit einem sauberen Lappen gut in das Holz einreiben und polieren.

Die Schlellackpolitur:

Hohe Schule der Politiertechnik. Das Schellackpolitierverfahren besteht darin, daß in Sprit gelöster Schellack durch zweckentsprechendes Verreiben auf eine Holzfläche derart aufgetragen wird, daß der nach dem Verdunsten des Sprites zurückbleibende Schellack die Holzporen ausfüllt und auf dem Holz eine völlig glatte Oberfläche erzeugt.

Die Politiermaterialien:

Mittel und Hilfsmittel des Schellackpolitierverfahrens:
- Schellak-Polituren, Hilfspolituren und Politurverdünnungsmittel
- Schleif - und Politieröle
- Schleifmittel
- Ölentfernungsmittel

1.) Die Polituren und ihre Verdünnungsmittel:
Polituren sind Lösungen von Harzen in Lösungsmittel. Als Harze kommen Natur- und Kunstharze in Frage. Hauptsächlich wurden Schellack, Kopal, Sandarak und Benzol verwendet. Die Schellackpolitur besteht aus Schellack und Sprit. Von der Schellakmattierung unterscheidet sich dadurch, daß sie weniger Zusätze, insbesondere kein Öl enthält. Das zum guten Verarbeiten notwendige Öl wird vom Politierer während des Politierens selbst auf die Fläche oder den Politierballen gebracht. Je nach der Sorte des Schellacks, der in Sprit gelöst wird, erhält man verschiedene Sorten von Schellackpolituren, z.B. dunkle, blonde, helle, weiße, unfiltrierte und filtrierte Polituren.
Rezept: 100 - 150 Gramm fein zerkleinerter, auripigmentfreier Schellack werden in 1 Liter Politierspiritus gelöst. Öfters umrühren oder schütteln Um die Lösung zu klären wird sie filtriert (Filterpapier oder alter Filzhut - mühsam), Filtrierapparat.
Um diese langwierige Angelegenheit zu umgehen kann man auch - um eine reine, klare Schellaklösung zu erhalten - die angesetzte Politur längere Zeit, ohne sie zu schütteln an die Wärme, z.B. an die Sonne stellen. Das Schellakwachs und die Verunreinigungen setzen sich langsam ab. Man erhält die reine Politur. Sie wird vorsichtig abgegossen. Der Bodensatz kann als Zusatz zur Innenmattierung verwendet werden.
Das Herstellen von Schellackpolitur wird heute kaum mehr praktiziert, es gibt hervorragende Markenpolituren.

2.) Die Schleif - und Polieröle:
Holzoberflächen, die poliert werden sollen, werden manchmal vor der Polierarbeit geölt und eventuell mit Öl geschliffen. Es wird Schleiföl verwendet, um die Holzfasern geschmeidig zu machen und gleichzeitig die Holzmaserung hervorzuheben.
Je nach Farbe des Holzes wird das Öl ausgewählt:
Helle und weiße Hölzer - weißes Schleiföl
Braune und dunkle Hölzer - rotgefärbtes Schleiföl
Das Rotfärben der Öle geschieht mit Alkannin (Alkanna-Wurzelextrakt) bzw. Mit öllöslichem Anilinfarbstoff.
Früher wurde das Ölen der Flächen vor dem Polieren mit gekochtem Leinöl vorgenommen. Bei Verwendung von Leinöl war ein wochenlanges Trocknen erforderlich, bevor mit der eigentlichen Polierarbeit begonnen werden konnte. Heute verwendet man dünnflüssige Schleiföle, z.B. säure- und harzfreies Vaselinöl. Unterschied zwischen Leinöl und Mineralöl als Schleiföl auf Holz:
Leinöl erhärtet durch die Aufnahme von Sauerstoff aus der Luft und bildet auf der Holzoberfläche mit der Zeit einen harten Firnisfilm, der die Holzporen ausfüllt und als vorzügliche Unterlage Für Polituren gilt.
Mineralöl hingegen trocknet nicht auf, bleibt flüssig und bildet keinen harten Film.
Polieröle während des Politierens sind notwendig, um der Klebrigkeit der Polituren während der Polierarbeit entgegenzuwirken. Die Schellackpolituren werden mit den Politierballen Schicht für Schicht aufgetragen, wobei die frisch aus dem Ballen fließende Politurflüssigkeit, die bereits aufgetragene, erhärtete Politurschicht wieder anzulösen und aufzureißen vermag, wenn dies nicht durch Mitverwendung von Polieröl verhindert wird.
Polieröl = dünnflüssiges, säure- und harzfreies Mineralöl, z. B. Paraffinöl.
Mineralöle (Vaselinöl, Paraffinöl) sind Produkte, die aus Erdöl (Petrol) gewonnen werden.
Leinöl ist pflanzlichen Ursprungs und wird durch Pressen des Leinsamens gewonnen.

3.) Die Polierschleifmittel:
Schleifpapier: Kork- oder HolzklotzBimssteinmehl: beim Schellackverfahren als Porenfüllmasse (geringe Mengen verwenden - Grauschleier) Stahlwolle: wird verwendet zum Schleifen von Politurschichten (bei Schnitzereien, Kehlleisten), paßt sich leicht den Konturen des Holzes an.

4.) Die Ölentfernungsmittel:
Beim Polieren bildet das verwendete Polieröl auf der Politurschicht einen schleierartigen Überzug, daher ist es notwendig dieses Öl zu entfernen.
Verschiedene Methoden und Mittel.
Methode: siehe Kapitel "Auspolieren".
Ölentfernungsmittel: Politiersprit, Benzolpolitur und Ausziehlack (Petersburgerlack), Schwefelsäure gemiensam mit Wienerkalk, Seifenprodukte (Putzsteine), Abpolierwasser (Polish).

Die Politierwerkzeuge:

Das wichtigste Werkzeug ist der Politierballen: Inhalt= Wollsocken oder Watteballen.
Der Grundierballen wird mit grobem Leinen oder grobem Trikot umwickelt, damit die Politur gut durchlaufen und das eventuell verwendete Bimssteinmehl sich zwischen den weichen Strickmaschen einlagern kann. Als Umwicklung für den Deckballen dient grobes, aber engmaschiges Leinen, für den Auspolierballen verwenden wir feines Leinen. Größe und Form des Polierballens sind den zu polierenden Flächen anzupassen und ist in einer gut zu verschließenden Polierbüchse aufzubewahren, damit er nicht austrocknen kann.

Die Arbeitstechnik:

Das Schellackpolitierverfahren (moderne Verfahren), Spitz-, Schwabbel- und Spachtelverfahren mit Zellulose und Kunstharzlacken.

Die Technik des Schellakpolitierverfahrens:

a.) die Vorarbeiten:

Das Schleifen und Ölen: gut geschliffen ist halb poliert: Ungebeizte, mit Putzhobel und Ziehklinge sauber verputzte Oberflächen werden in langen Zügen mit feinem Schleifpapier unter dem Korkklotz in Längsrichtung geschliffen, Schleifstaub sauber wegbürsten. Gebeizte Oberflächen nur leicht schleifen, besser mit Roßhaar abreiben.
Ölen mit Schleiföl (Holzfasern werden geschmeidig, Holzstruktur wird klar und feurig).
Vorgeölt werden nur solche Holzoberflächen, deren Farbton dies zuläßt oder verlangt (starkfarbige oder dunkle Hölzer). Das Auftragen erfolgt mit Putzfäden (Putzwolle), die man
In Öl tränkt und kräftig auswringt. Das Ölen erfolgt sparsam, aber gleichmäßig. Schleifrückstände und überschüssiges Öl nimmt man durch Aufstreuen von Tannenholzsägemehl und nachfolgendes Abreiben mit trockenen Putzfäden weg. Geölte Holzoberflächen sollen vor dem Grundieren ca 12 Stunden ruhen, damit sich das Öl gleichmäßig verteilen kann.

b.) Das Grundpolieren:

Auffüllen der Holzporen und mit der übrigen Holzfläche auf gleiche Höhe zu bringen. Es wird dünne Politur und Bimssteinmehl verwendet, nicht jedoch Sprit- und Bimssteinmehl.

Das Auftragen der Grundpolitur: Erst soll die Fläche mit Politur ein oder zweimal eingelassen werden. Einlassen mit präparierter Watte oder mit dem Politierballen.
Wird mit Watte eingelassen, so legt man, wie beim Mattieren, Politurbahn neben Politurbahn in Längsrichtung mäßig feucht an. Arbeitet man mit dem Politierballen, führt man den Ballen in langen Schleifen in Holzfaserrichtung über die ganze Fläche, verteilt dann ebenfalls in langen Schleifen quer zur Faserrichtung, dann in kleineren Schleifen nochmals in der Längenrichtung und zuletzt in kleineren, ovalen quer zur Faserrichtung.
Nach dem Einlassen oder Anlegen mit Politur wird als Schleifmittel Bimssteinmehl zu Hilfe genommen. Bimssteinmehl wird auf ein Brettchen gegeben und wird darauf zuerst mit Grundierballen, der halb und halb mit Politur und Sprit gefüllt ist, verarbeitet. Dann beginnt das Grundpolieren. Das füllen des Ballens mit Politur und Sprit: Die Politur wird direkt in die Strickwolle gegeben (Leinenüberzug zurückschlagen), Sprit kann durch den Leinenstoff hindurch in den Ballen gefüllt werden. Damit sich Politur und Sprit gut mischen und in der Strickwolle verteilen, wird der Ballen auf einem Brett oder der Handfläche geklopft.

Die Führung des Ballens: Der Druck auf den Ballen geschieht mit der Handhöhlung, die Führung mit den Fingern. Die Bewegungen sind Rundungen von Kreisen, Achtern und langen Ovalen oder Schleifen.
Das Grundpolieren geschieht ohne Mitverwendung von Polieröl, aber unter Benützung beider Hände, wobei die eine mit der Handfläche auf den Handrücken der anderen gelegt wird, damit der gleitende Ballen kräftig aufgedrückt werden kann. Mit dem gut befeuchteten Ballen werden die Flächen, besonders auch die Ränder, in schleifenförmigen, kreisförmigen und ovalen Bewergungen überfahren. Zwischendurch poliert man wieder einmal quer, dann wieder in Längsrichtung. Gegen Ende des Grundpolitierens wird noch eine stark verdünnte Politur, eventuell nur Poliersprit allein in den Ballen gefüllt und auspolitiert. Darunter versteht man ununterbrochenes Polieren mit einem frisch gefüllten Ballen, solange, bis er völlig politurfrei und "trocken" ist. Bei trockenem, auspolitiertem Ballen ist dessen Auflagefläche weiß.
Jede grundpolitierte Fläche muß ruhen, damit sie gut austrocknen kann. Je länger, desto besser.

c.) Das Deck- oder Nachpolieren:

Das Nachpolieren hat den Zweck, die während des stehengelassen grundierten Flächen "eingefallenen, nachgesackten Poren" erneut zu füllen.
Vor dem Nachdecken wird die grundierte Fläche mit feinem Schleifpapier geschliffen und mit sauberen Putzfäden gereinigt. Für das Deckpolitieren wird der Politierballen mit feinem Leinen umhüllt, wenig Polieröl auf die Fläche gegeben und die bereits beschriebenen Politierzüge gezogen. Beim Nachdecken muß jeder Ballen auspolitiert werden. Der Ballen muß "ziehen", d.h. er darf nicht über die Politur hinwegschlüpfen. Schlüpft er weg, so ist das ein Zeichen, daß zuviel Polieröl verwendet wurde. Die nachpolitierte Fläche soll bereits einen schönen, spiegelnden Glanz zeigen, völlig glatt sein und keine Unebenheiten mehr aufweisen.

d.) Das Nachpolieren:

Damit bezweckt man, daß der anpolierten Fläche bleibender Hochglanz verliehen wird. Zum Auspolitieren wird der feine, separat aufbewahrte Auspolierballen benützt. Man befeuchtet ihn schwach mit stark verdünnter Schellackpolitur oder einer Mischung aus Schellackpolitur und Benzoepolitur oder nur mit Benzoepolitur alleine. Der Ballen soll schwach, aber gleichmäßig angefeuchtet sein. Mit etwas Öl poliert man einige Zeit, bis der Ballen angetrocknet ist, nimmt ihn auseinander, bespritzt mit Spiritus, reibt mit den Händen die Strickwolle gut durch bis sich alle Schellackrückstände völlig aufgelöst haben, gibt den Lappen wieder darüber und poliert weiter. Der Ballen soll lange in Verbindung mit der Fläche bleiben. Die Kunst des Auspolitierens beruht darauf, daß der Ballen zu gleicher zeit vollkommen ausgetrocknet,ist, wenn die letzten Ölreste von der Fläche verschwinden.
Die letzten Ölreste können durch "Abwienern" oder Behandlung mit Auspolierwasser befreit werden.

Abwienern: die Polierte Fläche wird mit ca. 10%iger kalter Schwefelsäure mittels Watte oder Lappen gleichmäßig angefeuchtet. Dann wird etwas Wienerkalk im Beutel aufgepudert und das entstandene Gemisch von Schwefelsäure, Wienerkalk und Polieröl durch Reiben mit dem Ballen entfernt. Das Auspolierwasser wird mit einem Watteballen auf die Flächen gebracht. Man läßt es antrocknen und entfernt es darauf mit Flanellstoff.
Eine auspolitierte Fläche soll einen fadenlosen, klaren Hochglanz ohne bläulichen Schimmer zeigen. Die Poren sollen vollständig gefüllt sein und die Farbe des übrigen Holzes tragen; je glatter eine Fläche, desto schöner ist sie.


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